Medikamente

alias Arznei?, Arzneimittel?
Früher wurden Arzneien als Gemisch verschiedener Wirkstoffe nur aus Pflanzen oder Naturstoffen gewonnen. Heute kann man zusätzlich reine Substanzen entweder aus Pflanzen gewinnen oder künstlich herstellen. Reinsubstanzen sind besser dosierbar und die Wirkung lässt sich einfacher überprüfen, als die eines pflanzlichen Extrakts.

Inhaltsverzeichnis


Allgemein

Das Wissen um die Wirkstoffe, die Körper und Geist beeinflussen können, ist eine eigene Wissenschaft. Früher hießen die Experten Kräuterkundige, heute sind es die Pharmakologen. Es ist so banal wie wichtig, dass Kräutlein oder Pille nur dann mehr helfen als schaden, wenn die Richtigen zur rechten Zeit in der richtigen Mengen eingenommen werden. Ob natürliche Mittel immer besser sind als industriell hergestellte, trägt die Züge einer Glaubensfrage. Sicher ist, dass sowohl in der Natur wie in der Apotheke genügend tödliche Gifte stehen.
Von den Medikamenten in der Apotheke sind viele verschreibungspflichtig, also nur mit dem Rezept eines Arztes zu bekommen. Wenn der Gebrauch absehbar oder wahrscheinlich ist, wird ein Hausarzt ein Rezept ausstellen. Anders in vielen Ländern, besonders in der Dritten Welt: dort werden Medikamente frei (und für hiesige Verhältnisse auch billig) verkauft, die es hierzulande nur auf Rezept, also unter ärztlicher Kontrolle gibt. Hier wie dort aber immer Verfallsdaten auf den Packungen beachten. Dass man sich vor Benutzung eines Medikamentes mit dem Beipackzettel vertraut macht, muss sicher nicht betont werden. Darin werden häufig haarsträubende Nebenwirkungen aufgezählt. Dies liegt daran, dass die pharmazeutische Industrie hohe Entschädigungen für die Folgen von Nebenwirkungen zahlen musste, die nicht auf dem Beipackzettel verzeichnet waren. Jetzt drucken die Firmen alle nur irgend möglichen oder denkbaren Nebenwirkungen ab, seien sie auch noch so selten. Aufklärung muss sein, ganz klar. Trotzdem immer einen klaren Blick behalten für die Nutzen-Risiko-Relation: Ein notwendiges Medikament nicht ausreichend dosiert oder nur unregelmäßig oder gar nicht eingenommen, erbringt nicht seinen Nutzen, aber möglicherweise schädliche Nebenwirkungen.
Die meisten Substanzen werden unter mehreren Handelsnamen verkauft, die sich oft nur im Preis unterscheiden. Ein guter Apotheker kann hier beraten und auch bei Spezialitäten weiterhelfen, die in dieser Liste nicht alle vermerkt sein können. Substanz-Bezeichnungen und Medikamenten-Namen lassen sich an dem "ü" (Registrierter Markenname) hinter den Markennamen von Präparaten unterscheiden.

Dosierungsangaben

Dosierungsangaben der Medikamente beziehen sich immer auf den "normalen Menschen": Das ist in der Medizin ein Mann mittleren Alters von 178 cm Größe und 75 kg Körpergewicht. Wenn das Gewicht stark abweicht, muss man unbedingt die Dosis pro kg Körpergewicht ausrechnen. Zum Beispiel: ist für den "normalen Menschen" eine Dosierung von 3 x tgl. 100 mg (ein Milligramm = 1/1000 stel Gramm) des Medikamentes angegeben, bekommt ein Leichtgewicht mit 50 Kilo Körpergewicht nur 2 x tgl. 100 mg oder 3 x 67 mg. Ein Schwergewichtler von 100 kg erhält 4 x 100 mg oder 3 x 133 mg. Abweichungen von +10 - 20% sind normalerweise akzeptabel. Bei einigen Medikamenten wird die Menge in internationalen Einheiten (i.E.) angegeben statt in Gramm. Insbesondere Menschen mit bereits bestehenden Erkrankungen sollten sich vorher von ihrem Hausarzt beraten lassen. Besondere Vorsicht gilt auch für Schwangere, weil viele, aber nicht alle Medikamente die Frucht schädigen können.

Anwendungsweisen

oral

Die einfachste Art, ein Medikament zu sich zu nehmen, ist die durch den Mund (oral) als Tabletten oder Tropfen (schneller wirksam). Die Wirkung beginnt nach etwa 20 Minuten, wobei die Aufnahme des Wirkstoffes im Darm stark abhängig ist von der Substanz und dem Füllungszustand des Magens. Notfalls können auch Zäpfchen oral eingenommen werden. Medikamente, die über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, werden in der Leber teilweise abgebaut, bevor sie in den Körperkreislauf gelangen. Diesen Effekt umgeht man, wenn das Medikament direkt über der Mundschleimhaut (lutschen) oder Enddarm-Schleimhaut (rektal) aufgenommen wird, da es dann nicht zuvor die Leber passieren muss.

rektal

Für das andere Ende sind die Zäpfchen, die in den Enddarm eingeführt und von der Darmschleimhaut schnell resorbiert (aufgenommen) werden. Hier beginnt die Wirkung etwas schneller als nach oraler Gabe. Zäpfchen helfen auch dann, wenn orale Medikamente wegen Erbrechen unwirksam sind.

Injektion subkutan/intramuskulär/intravenös

Ein Normalverbraucher, der nicht unter Diabetes o.ä. leidet, braucht hoffentlich nie mit Spritzen zu hantieren. Trotzdem kann "Gewusst Wie" nützen. Durch eine Injektion wird das Medikament sicher und vollständig aufgenommen, die Wirkung tritt schneller ein und es entsteht ein höherer Blutspiegel (Konzentration des Wirkstoffes im Blut). Ob die Injektion ins Unterhautfettgewebe (langsame Freisetzung), intramuskulär (schnellere Wirkung) oder direkt in eine Vene (sofortige Wirkung) gespritzt wird, hängt ab von der Art der Erkrankung und des gewünschten Effekts. Injektionen sind bei einigen Krankheitsfällen besser als orale Gabe, bei einigen Notfällen sind sie unvermeidlich. Injektionen geben dürfen nur eigens ausgebildete Personen. In Notfällen, wenn kein Arzt erreichbar ist, hat aber jeder die Pflicht, nach besten Kräften zu helfen.

Homöopathische Medikamente

Die Homöopathie ist eine Erfahrungswissenschaft. Homöopathische Medikamente werden auf natürliche Weise aus Pflanzen oder Mineralien gewonnen und in verdünnter Form verabreicht. Der Verdünnungsfaktor ist immer in Dezimalstellen angegeben. D 1 heißt Verdünnung 1:10, D 2 1:100, D 3 1:1000. Die Verdünnung D2 enthält z.B. zehnmal soviel Wirkstoff wie D3; sollen der Nutzen groß und Schaden / Nebenwirkungen klein sein, muss folglich präzise gearbeitet werden. Die Wirkung eines homöopathischen Medikamentes entsteht durch die Symptome, die der Grundstoff für sich allein in hoher Dosierung bei Gesunden hervorrufen würde. Ein Medikament wird also Kranken in niedriger Dosierung gegeben, die die gleichen Symptome zeigen. Den Wirkmechanismus kann man sich vielleicht ähnlich einer Impfung vorstellen, bei der auch ein abgeschwächtes Gift gegeben wird, gegen das der Körper Abwehrstoffe bildet.

Pflanzliche Medikamente

Pilz- und Bakterien-Präparate

  • Perenterol(R): Kapseln aus lebenden Hefepilzen, die die Darmflora vor der Überwucherung durch andere Keime schützen und den Stuhlgang regulieren. Als Nebenwirkungen können manchmal leichte Gasentwicklung und Biergeschmack auftreten.
  • Vagiflor: ein Bakterienpräparat, das eine gestörte Scheidenflora wiederherstellt (z.B. nach Pilzinfektionen oder Entzündungen).

Ätherische Öle

haben schleimlösende Wirkungen auf die Atemwege und fördern die Durchblutung.
  • Gelomyrtol(R) forte: Kapseln, zum Hustenlösen
  • JHP-Rödler(R): Japanisches HeilpflanzenÖl wirkt erleichternd bei Schnupfen und Grippesymptomen, zum Einreiben bei Muskelschmerzen.

Kräuter

Die Zubereitung geschieht am besten als Tee. Sorgfalt braucht es auch hier, denn auch Kräuter haben ihre Risiken. Man denke nur an die Tollkirsche oder an den Fingerhut (Digitalis).
Achtung: Die einheimischen Kräuter Huflattich, Pestwurz, Kreuzkraut, Beinwell und Borretsch sowie alle Zubereitungen mit diesen Pflanzen sind mit Vorsicht zu genießen: Sie enthalten Bestandteile aus der Gruppe der Pyrrolizidin-Alkaloide, die krebserregend und erbgutverändernd wirken.

Antibiotika

haben die Fähigkeit, Bakterien in ihrem Wachstum zu hemmen (bakteriostatisch) oder abzutöten (bakterizid). Gegen Viren, Pilze, Parasiten wirken sie nicht. Das erste Antibiotikum, Penicillin, wurde aus Schimmelpilzen gewonnen. Moderne Antibiotika, Chemotherapeutika genannt, werden synthetisch hergestellt. Wichtig zu wissen, dass kein Antibiotikum gegen alle Keime wirksam sein kann, sondern nur gegen bestimmte Bakteriengruppen oder -stämme. Man unterscheidet Antibiotika mit schmalem Wirkungsspektrum von solchen mit breitem, die gegen sehr viele Bakterien wirksam sind. Bei der Anwendung von Antibiotika genau nach Rezept und Dosierungsanleitung verfahren, denn unter den Bakterien gibt es immer einzelne, die gegen dieses Antibiotikum unempfindlich (resistent) sind oder werden. Die resistenten Bakterien vermehren sich dann trotz des Antibiotikums weiter, sodass nur sie übrigbleiben. Damit besteht die Infektion weiter im Körper und das Antibiotikum ist unwirksam geworden. Eine zu niedrige Dosierung unterstützt die Resistenzbildung. Außerdem ist eine Resistenzbildung umso wahrscheinlicher, je öfter das Antibiotikum eingesetzt wird. So ist es zu erklären, dass einige Antibiotika in den letzten Jahren an Wirksamkeit verloren haben. Grundsätzlich gilt: Wenn es nötig ist, dann muss das Antibiotikum hoch genug dosiert und über eine ausreichend lange Zeit gegeben werden. Andernfalls kann es seinen Dienst nicht leisten, sondern fördert nur die Resistenzbildung und eventuelle Nebenwirkung. Normalerweise reichen zehn Tage, mindestens aber drei Tage nach vollständigem Abklingen der Symptome. Je nach Art und Ort eines Infektes helfen unterschiedliche Antibiotika. Man kann zunächst ein möglichst einfaches Antibiotikum wie zum Beispiel Penicillin nehmen, das auch die geringsten Nebenwirkungen hat, um die Breitspektrumantibiotika, die häufig auch eine höhere Nebenwirkungsrate haben, in der Hinterhand zu behalten.

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