Qualitätssicherung
"Lots of different people have lots of different contexts and information. And if they can come together in a way that productively aggregates or shares that information, you can end up with a pretty high quality of work that will be far better than what an individual or a small team could produce."
Jimmy Wales, Wikipedia-Gründer1
Das Wikipedia-Prinzip
Die Kritik an einem offenen Gesundheitslexikon liegt auf der Hand: Das ganze Projekt ist fahrlässig. Gesundheitsinformationen von Laien für Laien – da sind die Katastrophen vorprogrammiert. Halbwissen, Irrtümer, und Quacksalbereien werden in Heerscharen durch das SelbsthilfeWiki vagabundieren und so manchen Leichtgläubigen ins Unglück treiben.Den Einwand kontern wir mit dem höchst erfolgreichen Wikipedia-Prinzip. Es vertraut darauf, dass die schiere Masse der Benutzer für Qualität sorgt. Nicht die Expertise eines einzelnen Fachmanns ist ausschlaggebend. Statt dessen werden hier von vielen gemeinsam Informationen zusammengetragen, gesichtet, verworfen oder verifiziert. Die Enzyklopädie ist ein gigantisches Work in Progress.
Nicht nur der Erfolg bei den Lesern bestätigt dieses Prinzip. Mittlerweile haben Vergleichsstudien belegt, dass Wikipedia entscheidende Vorteile vor konventionellen Lexika hat. Der "Wissenschaftliche Informationsdienst Köln" hat für den "Stern" Ende 2007 50 zufällig ausgewählte Artikel der Wikipedia und des online-Brockhaus verglichen.2 Überraschend war, dass die Wikipedia nicht nur aktueller war. Auch bei den Bewertungskriterien "Richtigkeit" und "Vollständigkeit" hatte sie die Nase vorn. Ein Triumph für das Wikipedia-Prinzip.
Die Vorteile eines community-basierten Internet-Lexikons liegen auf der Hand. Sie lassen sich an den zur Verfügung stehenden Ressourcen festmachen:
- Wikis haben keine Beschränkung im Umfang, weder für einzelne Artikel noch für das Gesamtwerk. Die Wikipedia würde inzwischen gedruckt fast 300 gewöhnliche Lexikonbände füllen.
- Wikis werden von unzähligen Freiwilligen gemacht, die mit hohem Engagement bei der Sache sind. So viele topmotivierte Menschen könnte niemand anstellen, um ein Lexikon zu schreiben.
- Die Vielgestaltigkeit dieser großen Community sorgt für Input und Knowhow aus unzähligen Berufen, Wissensgebieten und Hobbies.
Der mündige Patient - der mündige Leser
Leider ist das zwar einfach, aber man kann sich nicht hundertprozentig darauf verlassen. Darum gilt darüber hinaus: Informationen in einem Wiki – egal welchem – sind mit der gebührenden Medienkritik zu betrachten. Dies gilt übrigens nicht nur für Wikis, sondern für jedes andere gedruckte oder gesprochene Wort, ob nun von Laien oder Experten. Bedenken Sie nur, wie oft Experten verschiedener Meinungen sind – welchem von denen folgen Sie nun uneingeschränkt?Kontrolle und Korrektur
Nicht jeder kann in einem Wiki alles machen. Wer sich ein wenig mit Wikipedia auskennt, der weiß, dass es in der Community auch Putzkolonnen und Polizisten gibt. Fehler werden beseitigt, böswillige Benutzer werden gesperrt, irrelevante Artikel gelöscht. Besonders gefährdete Artikel werden intensiv überwacht.Natürlich werden diese etablierten und bewährten Kontrollsysteme auch im SelbsthilfeWiki implementiert. Zu Beginn werden Vereinsmitglieder diese Funktion ausfüllen. Sobald die Community wächst, werden wie bei Wikipedia deren Mitglieder das übernehmen.
Anmerkungen:
1. Wales in einem Interview mit Ken Goffman (alias R.U. Sirius) im Januar 2007. Das ganze Interview lesen Sie hier.
