Schlangenbiss

Die meisten Schlangen sind ungiftig. In der Bundesrepublik gibt es als einzige Giftschlange die Kreuzotter, deren Biss für Erwachsene selten tödlich ist. In Südeuropa treibt noch die europäische Hornviper ihr Unwesen. Ihr Gift kann für kleine Kinder tödlich sein. In warmen Regionen gibt es eine immense Vielfalt von Schlangen. Unterscheiden lassen sich vier verschiedene Arten von Schlangen:
  1. Giftnattern wie die Kobra (Asien), Mamba (Afrika), Krite, Korallenschlange (Australien).
  2. Vipern wie Kreuzotter (Mittel-, Südeuropa), Sandviper, Puffotter, Gabunviper (besonders in Afrika und Asien).
  3. Grubenottern wie Klapperschlange, Buschmeister (Amerika), die sehr gefährlichen Bothrops Arten.
  4. Seeschlangen (Australien, Südsee, Indien).

Inhaltsverzeichnis


Spezielle Vorbeugung

Schlangen haben ein sehr empfindliches Tastsystem. Sie spüren schon sehr leichte Bodenerschütterungen und fliehen in ihrer menschenscheuen Art sofort. Auf Annäherungsversuche reagieren sie dann aber giftig. Wenn man eine Schlange sieht, sofort langsam zurückgehen und das Tier nicht durch hastige Bewegungen ängstigen. Das Risiko, von einer Giftschlange gebissen zu werden, ist für einen europäischen Touristen sehr gering. In die Reiseapotheke gehört also kein Schlangenserum, zumal es zwischen +2°C und +10°C aufbewahrt werden müsste. Dieser Aufwand lohnt nur für einsame Abenteurer oder ist für ausgedehnte wissenschaftliche Exkursionen ratsam. Wohnt man in den Tropen, sollte man vom regionalen Schlangenserum einen Vorrat haben.

Allgemeine Symptome

Nach ein bis zwei Stunden tretten Symptome wie das Schwitzen, Schwächegefühl, Übelkeit, Erbrechen und Ohnmacht auf . Nach zwei bis drei Stunden kann eine Beule oder auch ein Bluterguss an der Bissstelle entstehen; größere Blutergüsse können nach sechs bis zehn Stunden folgen. Weil die meisten giftigen Schlangen ein Blutgift verwenden, entsteht nach circa sechs bis zwölf Stunden Atemnot, Blutungsneigung mit vielen Blutergüssen, blutigem Urin und Bluterbrechen.

Wirkungen von Schlangenbissen

Bei den Giftwirkungen kann man drei Hauptwirkungen unterscheiden.

1. Lokale Wirkung

Die Gifte mit vorwiegend lokaler Wirkung verursachen starke, brennende Schmerzen an der Bissstelle. Eine Schwellung entsteht oder auch ein Bluterguss und Gewebeteile können absterben. Gelangt das Toxin weiter in den Körper, entstehen allgemeine Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen.

2. Blutgerinnungsstörungen

Sind in dem Schlangengift Toxine, die die Blutgerinnung stören, entstehen Nasenbluten, Hauteinblutungen, Bluterbrechen, Zerfall von roten Blutkörperchen mit rotem bis braunem Urin, worauf ein Nierenversagen folgt.

3. Nervengifte

Die Bissstelle ist gefühllos und schmerzt nicht oder nur wenig. Sehstörungen und Schwäche des Augenlidhebers sind mögliche körperliche Reaktionen. Im Weiteren können sich Atem- und Schluckschwäche verstärken und über Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen und Koma zum Tode durch Atemlähmung führen.

Biss einer Klapperschlange

Zu den häufigsten Giftschlangen zählen die Klapperschlangenarten und die Korallenschlangen. Klapperschlangen (hauptsächlich Nord- bis Mittelamerika) erkennt man an dem typischen segmentförmigen, klappernden / rasselnden Schwanz und an dem nahezu dreieckigen Kopf. Ein Biss kann eine, zwei, drei oder vier große Einstichwunden vorweisen. Sie hinterlassen mindestens eine, meistens mehrere punktförmige Bisswunden. Giftige wie ungiftige haben zusätzlich noch Abdrücke von den hinteren Zähnen. Nach den meisten Schlangenbissen entsteht an der Bissstelle ein brennender Schmerz.
Nach circa 5-10 Minuten schwillt die Bissstelle an, manchmal sehr, manchmal kaum. Nach weiteren 30 bis 60 Minuten entwickeln sich Taubheit und Kribbeln in Lippen und Gesicht und auf der Kopfhaut, was auch seine Ursache aber auch in der Aufregung des Gebissenen haben könnte. Wenn diese Symptome sofort nach dem Biss auftreten, kommen sie wahrscheinlich von der Aufregung. Einige Minuten später treten dann Zittern oder Nervosität der Mund- und Augenmuskulatur und eine metallischer oder gummiartiger Geschmack im Mund auf. Die Korallenschlangen (Südamerika, Australien) werden wegen ihrer roten, schwarzen und gelben oder weißen bandförmigen Musterung so genannt. Nach Bissen von Korallenschlangen schmerzt es nicht immer brennend und die örtliche Schwellung bleibt gering. Taubheit und/oder Schwäche des verletzten Teiles treten nach etwa 1 Stunde auf. Nach ca. 1-3 Stunden entwickeln sich Zuckungen, Nervosität, Benommenheit, vermehrter Speichelfluss und nach ca. 5-10 Std. verwaschene Sprache, Doppeltsehen und Beschwerden beim Sprechen, Schlucken und Atemnot. Herz- und Lungenversagen führen schließlich zum Tode.

Sofortmaßnahmen

Nach einem Schlangenbiss, auch als Helfer, ruhig bleiben und zügig nach folgendem Schema vorgehen: Ganz wichtig ist es, Gegengift zu verabreichen und schnellstmöglich ein Krankenhaus aufzusuchen. So schnell wie möglich aber auch gleichzeitig schon mit der Druck/Ruhigstellungsmethode beginnen:

Druck/Ruhigstellungsmethode nach Schlangenbissen

Es gelangt erheblich weniger Gift vom Bein in den Körper, wenn eine feste Binde um die Bissstelle gewickelt wird. Denn dadurch verringert sich die Durchblutung und das Gift wird so am Ausbreiten gehindert.
Eine breite elastische Binde, notfalls eine Mullbinde o.ä., sofort nach dem Biss um die Bissstelle wickeln. Hosen bleiben an und werden nur vorsichtig hochgeschoben oder mit eingewickelt, weil sonst durch die Bewegung unnötig viel Gift in den Körper gelangt. Das Bein muss ruhig gehalten werden. Die Binde wird so stramm und gleichmäßig gewickelt, wie man ein verstauchtes Fußgelenk bandagieren würde. Der Druckverband wird so hoch wie möglich gewickelt. Am besten wickelt man das ganze Bein und schient es zusätzlich. Am Arm wird sinngemäß verfahren. Diese Methode kann nur an den Extremitäten angewendet werden. Aber Bisse in den Rumpf sind zum Glück sehr selten. So eine Bandage kann viele Stunden umgewickelt bleiben, ohne Schmerzen oder Schaden anzurichten. Dabei darauf achten, dass die Finger oder Zehen noch etwas durchblutet werden; was sich anhand der normalen Farbe und der Wiederfüllung der Kapillaren nach einem kurzen Druck (weiße Druckstelle wird sofort wieder rosig) auf die Finger/Zehen feststellen lässt. Unter der Bandage baut der Körper das Gift langsam ab. Durch die langsame Freisetzung kann der Körper das Gift besser inaktivieren. Auf diese Weise kann ein Gebissener in guter Verfassung ins Krankenhaus gelangen, wo der Verband erst abgenommen wird, wenn die notwendigen Medikamente bereitstehen.
Schlangenexperten empfehlen schon lange nicht mehr, die Wunde einzuschneiden und auszusaugen, weil so nur sehr wenig Gift entfernt werden kann. Außerdem führt es zu hässlichen Wundinfektionen, wenn man eine Wunde mit dem Mund berührt. Ebenso ist es nicht empfehlenswert, eine Stauung (Abbinden) an der Extremität anzulegen, da sie nach spätestens 2 Stunden gelockert werden muss und dann plötzlich größere Giftmengen in den Körper freisetzen kann und zudem noch eine plötzliche Belastung durch die inzwischen angefallenen Stoffwechselprodukte hervorruft.

Weitere Behandlung

Die meisten Schlangenbisse, sogar die von Giftschlangen führen nicht unbedingt zu ernsthaften Vergiftungserscheinungen. Der Verletzte muss zur Ruhe angehalten werden: also keinesfalls unnötig hin- und herlaufen. Dadurch würde das Gift sich nur noch schneller im Körper verbreiten. Bei übermäßiger Atmung (Hyperventilation) durch Angst und Aufregung kann es zu Hand- und Fußkrämpfen kommen, die man nicht als Wirkungen des Giftes missverstehen sollte. Zum Schutz sich sofort aus dem Bereich der Schlange entfernen. Besser nicht die Schlange mitnehmen, denn auch eine tote Schlange kann noch bis zu einer Stunde nach ihrem Tod reflexartig beißen. Das richtige Gegengift kann im Krankenhaus ermittelt werden, da es inzwischen entsprechende Nachweismethoden gibt. Regional stehen Giftschlangenantitoxine (Gegengifte) für die Regionen Europa, Nordafrika, Zentralafrika, für den Vorderen und Mittleren Orient bereit. Solche Schlangenseren wirken gegen die Gifte aller Schlangen der jeweiligen Region.

Abschließende Maßnahmen

Für Extremfälle, in denen kein Arzt den Verletzten abschließend behandeln kann, einige Hinweise: Wenn Schlangenserum verabreicht werden muss, darf keine Allergie gegen Pferdeeiweiß bestehen, da die Seren von Pferden stammen. Zusätzlich sind hohe Dosen Cortison zu geben, da dies die Giftwirkung auf den Körper vermindert. Da Schlangengifte oft Histamin enthalten, ein körpereigenes Hormon, das allergische Reaktionen vermittelt, sind auch Antihistamine notwendig. Ist der Gebissenen sehr unruhig und ängstlich, muss er ruhig gestellt werden (z.B. mit Valium). Abschließend eine Tetanusimpfung nach dem Schlangenbiss nicht vergessen.

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